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  Praxis Gottesdienst
 


Artikel aus den Materialbriefen der Liturgischen Institute Deutschlands, Österreichs und der Schweiz zum Thema Kerzen (Schriftleitung Eduard Nagel)

Information und Handreichung der Liturgischen Institute Deutschland, Österreichs und der Schweiz:
Herder - Freiburg – Basel – Wien 38. Jahr 23. Dezember 2004

Auf zwei Minuten

Liebe Leserinnen und Leser,

in einer Information des Verbandes Deutscher Kerzenhersteller und der Bayerischen Wachszieher-Innung wird ausführlich dargelegt, wie beim Abbrand von Kerzen Ruß entsteht, welche Typen mehr welche weniger Ruß abgeben, und man erfährt, dass Schwärzungen von Mauern in Kirchen meist mehr mit Staub und Luftzug zu tun haben als mit dem Kerzenbrand. Dass Umweltschutz auch hier beachtet wird, ist sehr erfreulich. Aber es gibt in diesem Zusammenhang auch noch andere Aspekte. Heute brennen in Wohnungen und Restaurants unzählige Kerzen, ohne dass jemand sich aus Gründen des Umweltschutzes irgendeine Beschränkung bezüglich Anzahl oder Qualität des Brennmaterials auferlegen würde. Da geht es einfach um Atmosphäre. Natürlich hat das Bemühen um geradezu klinische Sauberkeit beim Kerzenbrand in der Kirche neben dem Umweltschutz noch weitere Gründe. Nicht nur die Sparsamkeit – für Mesner/innen ist es kein Vergnügen, Wachstropfen aus Altartüchern und Messdienerkleidern zu entfernen und von Böden, Kirchenbänken und Messingleuchten abzukratzen. Sie alle mögen mir verzeihen, wenn ich jetzt sage: Ich freue mich, wenn ich in dieser sterilen Lichterwelt eine Kerze sehe, die flackert, an der das Wachs herunterrinnt, die nicht nur als Sparflamme vor sich hin leuchtet, sondern im Überfliesen sich großzügiger verzehrt, als ihr aufgetragen ist. Ich finde Wachs am Boden unter dem großen Kerzenständer schön, weil es von Überfluss zeugt, und mich erinnert der Ruß an der Wand und Decke der Marienkapelle an die Gebete der Menschen , die hier ihre Lichter angezündet haben zu Ehren der und im Vertrauen auf die Muttergottes. Mit Grausen denke ich an eine von mir geliebte berühmte Wallfahrtskirche, in der die wiederverwendbaren Opferlichter so sparsam gefüllt werden, dass mir beim Anzünden, noch bevor der Docht brannte, die ganze Füllung samt dem Docht herausrann.

Haltet eure Kirchen als Gottes und der Menschen Haus sauber, aber lasst echte Kerzen auf dem Altar, in den Händen von Ministrant/innen und Gläubigen und vor Heiligenbildern sich verzehren – wie unser Leben brennend, aber auch flackernd, tropfend, rußend, bittet.

Ihr Eduard Nagel

 

Auf zwei Minuten

Liebe Leserinnen und Leser,

Wohl kaum zu einer Zeit haben Kerzen als Mittel zur Erzeugung einer bestimmten Atmosphäre eine so große Rolle gespielt wie heute. Ob auf dem Tisch im Restaurant, im trauten Heim, auf öffentlichen Plätzen, auf denen Wesentliches geschehen soll, an Orten des Gedenkens oder der Mahnung — überall brennen Kerzen. Den Kirchen bleibt es vorbehalten, auf ihren Altären anstelle dieser ausdrucksstarken Symbole nicht nur des Lichtes, sondern auch des Sich-Verzehrens sterile Attrappen aus Kunststoff mit flüssigem Paraffin zu verwenden. Speziell auf dem Altar, dem Ort der Vergegenwärtigung des Opfers Christi, seiner Hingabe bis in den Tod, macht sich das Symbol selbst lächerlich, wenn gerade das Sich-Verzehren nicht zum Ausdruck kommen darf, weil tropfendes und herab rinnendes Wachs Flecken in das Altartuch machen könnte. Wie mag es wohl auf Golgota gewesen sein, als Jesu Leib zerschlagen wurde und Blut und Wasser aus ihm flossen, als sein Leben ausgelöscht und alles, was er war, vernichtet werden sollte, als die Hoffnungen der Jünger angesichts dessen, was sie sahen, zerrannen? Wer etwas von der Symbolik erfahren möchte, die Kerzen über ihr Licht hinaus haben, kann dies in Fatima erleben. Wer dort war, wird sich an die Stelle erinnern, wo die Gläubigen ihre Kerzen anzünden. Dort ist die Wand ganz schwarz vom Ruß, da steigen schwarze Rauchwolken auf und manchmal schlagen Flammen in die Höhe, wenn Kerzen dem Feuer ihrer Schwestern zu nahe kommen und sich herab biegen, so dass ein flackernd und auch lodernd brennender Wachs-See entsteht. An der Theke, an der die Kerzen zu kaufen sind, wird gebeten, diese nicht mit nach Hause zu nehmen, sondern sie an Ort und Stelle zu verbrennen — sie sollen kein frommes Souvenir sein, um als zartes Flämmlein makellos ein kühles Lichtlein abzugeben, sondern hier in Flammen aufgehen, in Hitze und Rauch, und so einmalig und zugleich nicht mehr unterscheidbar von all den anderen ihre Vollendung finden. Wie armselig und jämmerlich sind dagegen die geruch-, trost- und seelenlosen in Plastik- oder Glashüllen geschobenen Dosen, die auf unseren Altären das Geheimnis verbergen, von dem sie künden sollten, meint — an "Lichtmess".

Ihr Eduard Nagel

Erschienen in "praxis gottesdienst" - Materialbrief der Liturgischen Institute Deutschlands, Österreichs und der Schweiz – (Schriftleitung Eduard Nagel). In einem pers. Gespräch auf der Gloria Kirchen-Messe in Dornbirn/CH äußerte sich Herr Nagel, dass er immer wieder das Thema "echte Kerze – Attrappen in der Kirche" aufgreifen wird, siehe o.a. Artikel. Der Materialbrief "praxis gottesdienst" spricht alle in der Gemeinde an, die an der Planung, Vorbereitung und Feier von Gottesdiensten mitwirken. (erscheint monatlich)

 

Auf zwei Minuten

Liebe Leserinnen und Leser,

zweifellos sind "Dauerkerzen" oder wie immer Geräte mit einer kerzenartigen Hülle und einem Brenn-Energie spendenden Innenleben genannt werden eine praktische Sache.
Sauber, tropfenfrei und rußarm, immer in perfekter Gestalt - eine echte Freude für Küster/-innen und für jene, die Altartücher zu waschen haben. Dennoch sind solche Attrappen auf dem Altar ein Stein des Anstoßes. Sie geben vor, etwas zu sein, was sie nicht sind.

Auf dem Altar aber ist jede Lüge noch unerträglicher als anderswo.

Diese Produkte, einer angeblich verbraucher-freundlichen Industrie haben auch nicht die Symbolik, die der Kerze wesentlich zukommt: das Herunter-Brennen, Sich-Verzehren, das im Zusammenhang des Altars nicht weniger bedeutsam ist als das Licht (das in Wirklichkeit ohnehin von Scheinwerfern überstrahlt wird). Hart gesagt: Offensichtlich ist der Gottesdienst den Verantwortlichen nicht einmal den Mehraufwand wert, den echte Kerzen im Vergleich zu ihren steril-öden Nachbildungen mit sich bringen. Da kann man sich das ganze Geschrei nach mehr Zeichenhaftigkeit und die Bibliothek mit liturgischen Werkbüchern sparen: Wem so billiges Plagiat gut genug ist, der wird mit noch so vielen "neuen" Texten und Zeichen nichts und niemanden gewinnen.

Feiern hat immer auch etwas zu tun mit Verschwendung: bei den ärmsten Völkern und bei den ärmeren Menschen in unserem Land können wir das sehen. Da wird alles Erreichbare eingesetzt, selbst wenn das Geld dafür an anderer Stelle fehlt. Darum bleibt alle Rede von der Liturgie als Feier Geschwätz, wenn wir an dem knausern, was die Feier schön macht, meint

Ihr Eduard Nagel
zuständiger Mitarbeiter des liturgischen Institutes in Trier



 
 
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