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  Gedanken zu Allerheiligen und Allerseelen
 


Besonders im November schmücken wir die Gräber unserer Toten mit Blumen und frischem Grün. Wir zünden Kerzen an und lassen sie als stilles Gebet weiterbrennen, als Symbol für das ewige Licht. Sie leuchten auch dann noch, wenn wir den Friedhof verlassen, und ihr ruhiger Schein geht als Mahnung mit uns in die Geschäftigkeit unserer Tage.

Wir gedenken unserer Toten wir gehen durch das stets offene Tor des Friedhofs. Die Gräber warten schweigend in den Reihen, dass ein Suchender bei ihnen kurz verweilt. Tritt näher nur und ängstige dich nicht! Die Toten heißen dich zu gern willkommen in ihrem Kreis, denn Sterben müssen wir alle. Wir sterben im Vertrauen darauf, dass der Gott, der uns im Leben beistand – uns jeden Tag neu schenkte -, auch im Tode bei uns ist. Er ist der Herr des Neubeginns, er führt den Menschen durch den Tod.

Bestimmt ist es Ihnen auch schon oft so gegangen, wenn ein schwarzumrandeter Brief ins Haus kam, dass Sie viele Fragen dazu hatten. Fragen wie: War er bereit zu sterben? Hat er gewusst, geahnt, dass er bald sterben würde? Wie mag er gestorben sein – allein oder getröstet? Die Fragen könnte man beliebig fortsetzen; denn wir alle haben immer wieder versucht, uns eine Vorstellung vom Tod zu machen. Häufig aber haben wir uns vor der Auseinandersetzung mit diesem Thema gedrückt; Tod und Sterben – so dachten wir – das hat Zeit! Und nun dies – eine Mitteilung über den Tod eines Menschen. Wie reagieren wir darauf?


Allerheiligengrab

 
 


Früher war Sterben noch etwas Normales, Alltägliches. Wenn ihm Zeit gegeben war, konnte der Sterbende damals noch richtig in Ruhe Abschied nehmen. Niemand hätte ihn aus seinem Bett, seinem Zimmer vertrieben; denn seine Art zu sterben, war bereits sein letzter Wille. Alle Freunde und Angehörigen wurden gerufen, denn vielleicht hatte der Sterbende noch Wichtiges zu sagen. In Frieden, würdevoll und von Liebgewordenem, Vertrautem umgeben, getröstet und gestärkt vorbereitet, so durften viele, viele Menschen sterben.

Verdrängen wir Krankheit und Tod nicht ins Abseits von Krankenhäusern und Altenheimen. Beten wir zusammen mit unseren Kindern, damit sie auch beten können, wenn sie in Not sind.

Wegen der Hektik unserer Zeit müssen wir uns bewusst dazu Zeit nehmen, denn Nachdenken benötigt Ruhe und Stille. Das gelingt uns am besten im Schein eines Kerzenlichts. Warten wir bitte nicht mit dieser Auseinandersetzung, bis wir ganz plötzlich mit dem Tod konfrontiert werden, wer weiß es, ob wir dann noch lernfähig sind.

Leben aus Gotteshand anzunehmen heißt, sich am Leben zu freuen. Manchmal könnte man denken, den Christen wäre die Freude und das Lachen schon vergangen. Christsein aber heißt, das Leben zu bejahen, Aufgaben zu lösen und nicht über sie zu klagen. Prüfen Sie bitte einmal, wie viel Erfreuliches Sie über Ihr Leben in letzter Zeit geäußert haben.

Den Tod aus Gottes Hand anzunehmen heißt: „ Ja, Vater!“ zu sagen. Wie schwer das ist, hat Jesus uns gezeigt. Auch er betete: “Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch von mir.“ Doch anschließend sagte er nicht: “Ja, aber......“ und auch nicht: „Aber warum denn....?“ Er sagte – und das ist das Allerschwerste auf der Welt: „Vater, nicht mein, sondern Dein Wille geschehe.“

Jeder schwarzumrandete Brief und besonders die Tage um Allerheiligen und Allerseelen, wo wir die Gräber unserer Verstorbenen mit Kerzen und Blumen schmücken, will uns daran erinnern, dass Gottes Wille heute noch immer geschehen soll und nicht der unsere. Daher möge unsere tägliche Bitte sein: Lehre mich Herr, das Leben zu bestehen und mich darüber zu freuen, dass ich leben darf. Lehre mich weiterhin zu bedenken, dass ich sterben muss.

 
 
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