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  Die Kerzenuhr
 


Kinder, wie die Zeit vergeht!  Gerade am Silvesterabend wird uns Menschen die Vergänglichkeit mit bangen Gedanken bewusst. Man spürt den Lauf der Zeit, man blickt mit Sorge auf das Zifferblatt und lauscht dem mitternächtlichen Stundenschlag. Zeit wird sichtbar. Der Gevatter Tod hält eine Sense und ein Stundenglas in seinen knöchernen Händen als Symbol der Vergänglichkeit. Der Umgang mit der Zeit hat uns seit Menschengedenken  beschäftigt. Wie kann man die unfassbare Zeit  in messbare Formeln fassen? Die Sanduhr kennt heute noch jedes Kind. Aber wie steht es mit der Kerzenuhr?
Lange bevor Uhrenzeiger die Menschheit auf Trab hielten, also schon im Mittelalter fand die Kerzenuhr oder auch Stundenkerze als Zeitmesser hauptsächlich in den Klöstern Verwendung. Dabei  handelte es sich um eine schlichte Kerze mit einer am Schaft angebrachten Skala oder als Alternative eine Kerze vor einem Schild mit Skaleneinteilung. Das Prinzip liegt auf der Hand: an der während des Brennvorgages kürzer werdende Kerze konnte man mit der Brenndauer von Strich zu Strich die Stunden abzählen. Zum Anbringen der Striche im richtigen Abstand bedurfte es eines Eichverfahrens. Hierzu stellte man zwei gleiche Kerzen nebeneinander. Die eine wurde in Brand gesetzt, an der anderen Kerze wurden die Striche jeweils nach Ablauf der Zeiteinheit entsprechend der Länge der brennenden Kerze, meistens der von einer Stunde, angebracht. Und woher wussten die Klosterbrüder, wie lange eine Stunde dauert? Ganz einfach. Sie kannten  gewisse Psalmen  die abzusingen eine Stunde dauerte.


Stundenkerze
 
 

Danach wurden die Striche von der „Musterkerze“ oder von einer eigens zu diesem Zweck gefertigten Schablone auf die anderen Kerzen übertragen.
Als geniales  Wunderwerk von einem Wecker empfinden wir heute eine  zusätzliche Einrichtung  bestehend aus einem Glöcklein an einem Draht, welcher an der Stelle in die Kerze eingesteckt wurde, wo man geweckt werden sollte. Brannte die Kerze ab bis zum Glöckchen, so fiel dieses  mit lautem Geräusch herunter in den Kerzenhalter.
So spendeten die Kerzen in den tristen Klosterzellen nicht nur Licht, sondern sorgten auch für die Einhaltung der Pünktlichkeit im streng regulierten Klosterleben.
pb

 

 
 
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