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  Die Gotteskerze
 

Es war schon dämmrig in dem kleinen Kerzenladen. Bald war Feierabend. Der Besitzer machte sich daran, seinen Laden für diesen Tag abzuschließen. Da klingelte das Telefon. Alle Kerzen horchten auf. So versuchten sie genau mitzubekommen, was der Besitzer am Telefon sagte: "Natürlich können Sie morgen vorbeikommen, ich habe eine große Auswahl an Kerzen. - Was suchen Sie? Eine Gotteskerze? - Vielleicht finden Sie bei mir etwas Passendes. Auf Wiedersehen, der Herr!"

Kaum war er kurze Zeit später gegangen und hatte den Laden abgeschlossen, da ging unter den Kerzen ein erregtes Diskutieren an. Alle fragten sich, was denn wohl eine Gotteskerze sei. "Es ist doch wohl klar, dass er uns meint verkündeten einige schlanke, weiße Kerzen voller Überzeugung, wir sind für die Erstkommunion gemacht, und wo ist der Mensch Gott näher!"

Erregt piepsten einige Teelichter: "Ihr brennt doch höchstens eine Stunde in der Kirche, danach dient ihr nur noch zum Vorzeigen! Wenn man uns in der Kirche verbrennt, dann vor Gott oder vor der Muttergottes. Ist doch klar, dass wir Gotteskerzen sind.“

"Quatsch! sagte in rumpelndem Bass eine schwere, goldgelbe Kerze von fast einem Meter Länge. "lch bin aus echtem Bienenwachs, das Beste, was es überhaupt gibt. Und für Gott verbrennt man nur das Beste!“

 


 
 

Nur eine Kerze beteiligte sich nicht an dem ganzen Gezänk. "Warum darüber streiten dachte sie bei sich, ist es nicht egal, aus welchem Material, wie groß oder wie schön wir sind. Hauptsache man brennt richtig und schenkt helles, warmes Licht! Aber neugierig war sie doch, was denn eine Gotteskerze sei.

Am nächsten Tag wuchs die Spannung der Kerzen. Gegen Mittag betrat ein junger Mann den Laden. "Guten Tag, ich habe gestern wegen einer Gotteskerze angerufen. «Die Kerzen hielten den Atem an.» Vielleicht schauen Sie eich einmal um, erwiderte der Besitzer den Gruß. Vielleicht finden Sie etwas, was Sie mit Gotteskerze bezeichnen.“
Suchend ging der junge Mann an den Regalen vorbei.

Na, da ist ja eine und zwar eine sehr schöne! Und damit griff er nach der Kerze, die sich am Vorabend nicht an dem Streit beteiligt hatte.

„Ich freue mich, dass Sie eine passende Kerze gefunden haben. Aber wieso nennen Sie die Kerze eine Gotteskerze?“ - "Sehen Sie,“ erklärte der junge Mann, "der dicke Docht dieser Kerze besteht aus drei geflochtenen Dochten.“ - "Aber was hat das mit Gotteskerze zu tun?“ - meinte der Besitzer. Mit einem frohen und glücklichen Lächeln erklärte der junge Mann: "Wissen Sie, ich möchte diese Kerze jemandem schenken, den ich sehr lieb habe. Und mein Geschenk soll ihm etwas sagen. Der eine Docht heißt ICH, der zweite Docht heißt DU. Die Kerze braucht aber noch den dritten Docht und der heißt GOTT. Deswegen nenne ich sie Gotteskerze und mache sie zum Geschenk."



 
 
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